Dani Gebert. Autor
Historische Geschichten aus der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Das Siegel von Schwyz

Ein Symbol von Treue und Gemeinschaft

Wenn die frühen Bewohner von Schwyz im Mittelalter einen Bund schlossen oder wichtige Rechte verbrieften, taten sie dies unter dem Schutz eines bedeutungsvollen Symbols: dem Siegel von Schwyz. In einer Zeit, in der die Welt von persönlichen Treueschwüren und Handschlägen bestimmt war, war das Siegel ein sichtbares Zeichen von Verbindlichkeit, Gemeinschaft und Glauben. Sein Bildnis erzählt noch heute von der Haltung, mit der sich Schwyz seinen Platz in der Geschichte der Schweiz sicherte.

Der heilige Martin von Tours im Mittelpunkt:
Das Siegel von Schwyz, das zwischen 1284 und 1365 auf Urkunden erscheint, zeigt den heiligen Sankt Martin von Tours. Er ist dargestellt als römischer Soldat, der – auf dem Boden stehend – mit seinem Schwert seinen Reitermantel teilt. Das abgeschnittene Ende hält ein auf der Erde kauernder Bettler in den Händen. Zu seinen Füßen liegen Krücken, Zeichen seiner Hilfsbedürftigkeit. Hinter Sankt Martin steht sein Pferd, über ihm ragt ein Zweig mit Laubblättern empor.

Die Umschrift des ersten bekannten Siegels lautet:
+ S’UNIVERSITATIS. IN. SWITES.*

Beim zweiten Siegel, das etwas später verwendet wurde, lautet sie:
+ S’UNIVERSITATIS * IN * SWITZ * (Bild)

Beide, von feinen Perl-Linien eingefasste Inschriften, bedeuten: «Siegel der Gemeinschaft von Schwyz».

Die Spuren des ersten und zweiten Siegels:
Das erste Siegel begegnet uns auf bedeutenden Dokumenten: einer Urkunde der „Kilchen zu Schwitz“ vom 25. Dezember 1281 (nach damaliger Zeitrechnung der Beginn des neuen Jahres), auf einem Vergabungsbrief von April 1286 (wo es beschädigt ist), sowie auf Urkunden von 1294 und 1309 (Staatsarchiv Luzern).
Das bekannte Wachssiegel auf dem Bundesbrief von 1291 ging zwar zwischen 1330 und 1920 verloren, doch an anderen Urkunden hat sich das ursprüngliche Bildnis erhalten.

Ab etwa 1313 ist das zweite, leicht veränderte Siegel im Gebrauch. Es zeigt nahezu dieselbe Anordnung, lediglich der Ortsname wird von „Swites“ zu „Switz“ modernisiert. Dieses Siegel begleitete die Schwyzer noch lange: Es findet sich unter anderem auf dem Bundesbrief von 1351, als Zürich der Eidgenossenschaft beitrat. Auch später blieb es in Verwendung, obwohl neue Siegel entstanden. Eine kleine Episode aus den Jahren 1440 und 1443 erzählt, dass der Stempel wegen Beschädigung eine Zeit lang nicht eingesetzt werden konnte – in zwei Urkunden wird ausdrücklich vermerkt:

«Siegelt Gebresten des Landsiegels halb Ital Reding der Hauptmann im Veld».

Das zweite Siegel wurde repariert und wird bei feierlichen Gelegenheiten bis heute eingesetzt.

Weiterentwicklung und künstlerische Vollendung:
Auch in späteren Jahrhunderten blieb die Darstellung von Sankt Martin zentral: Das dritte (1454) und vierte Siegel (1657) zeigen ihn in ähnlicher Weise.
Ein besonderes Kapitel schließt das Jahr 1729 auf: Der Schwyzer Medailleur Johann Carl Hedinger erschuf ein neues, kunstvolles Siegel. Es zeigt Sankt Martin auf dem Pferd, der dem Bettler die abgeschnittene Mantelhälfte reicht – ergänzt um den Schwyzer Schild mit dem charakteristischen Kreuzchen im heraldischen linken Obereck.

BILD: Standesiegel von Schwyz, 1313

Quellen:
• «Die Siegel der Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden», Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft Zürich, Band 9 (1853–1856)
• «Wappen und Fahnen der Schweiz», Louis Mühlemann, Bühler-Verlag AG, 1991


 
 
 
 
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