DAS ERSTE SIEGEL VON LIESTAL:
Das erste Siegel von Liestal lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in das 14. Jahrhundert datieren. Es trägt die Umschrift
„S. CIVIVM CIVITATIS DE LIESTAL“
und belegt damit die frühe städtische Selbstrepräsentation der Bürgerschaft.
Als Siegelbild erscheint ein dreieckiger, nach unten oval zulaufender Schild, der in der Mitte waagrecht geteilt ist. Die kreuzweise gelegte Schraffierung der unteren Hälfte sowie die glatte Fläche der oberen Hälfte verweisen eindeutig auf die Standesfarben von Basel (Weiss und Schwarz). In der oberen Schildhälfte befindet sich eine Figur, die erkennbar aus dem Bischofsstab des Basler Wappens hervorgegangen ist, in Liestal jedoch eine markante Umformung erfahren hat.
Diese Veränderungen des Bischofsstabes sind in mehreren Punkten fassbar: Erstens fehlt der dreilappige Fuss. Zweitens ist das gekrümmte obere Ende an der Außenseite mit Knöpfen beziehungsweise Knospen besetzt, die in ihrer Form dem architektonischen Zierrat gotischer Türmchen gleichen. Drittens ist der Stab am unteren Rand derart bauchig ausgeformt, dass er den Charakter eines klassischen Bischofsstabes beinahe verliert und – ohne Kenntnis seines Vorbildes – ebenso gut als Pflanzenornament oder als Helmzierde gedeutet werden könnte.
Auffallend ist jedoch, dass ungeachtet dieser ungewöhnlichen Umgestaltung in den Siegelbildern das alte Wappen von Liestal ursprünglich ein vollständiger Basler Stab, wenn auch mit drei bis acht Knöpfen, gewesen sein muss. In genau dieser Form begegnet das Wappen in Stumpfs Chronik, auf der Brunnerschen Karte des Kantons Basel von 1729 sowie in Bruckners „Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel“ (S. 1112). Dort wird ausdrücklich festgehalten, das Wappen des Städtchens Liestal zeige einen roten Baselstab mit goldenen Knöpfen in weissem Feld.
Ein erhaltener Siegelabdruck dieses frühen Liestaler Siegels befindet sich an einer Urkunde von 1525 im Stadtarchiv Basel, was die fortdauernde Verwendung und Bedeutung dieses heraldischen Zeichens dokumentiert.
BILD: Das Wappen des Städtchens Liestal
Bild- und Textquelle:
Buch „Die Städte- und Landes-Siegel der Schweiz – Ein Beitrag zur Siegelkunde des Mittelalters“ von E. Schulthess, 1853
