Dani Gebert. Autor
Historische Geschichten aus der Schweizerischen Eidgenossenschaft.



DAS ERSTE SIEGEL VON BASEL-STADT

Im Jahr 1225 sah sich die Stadt Basel dank ihres zunehmenden Wohlstands in der Lage, die bedeutende Rheinbrücke zu errichten. Einen finanziellen Beitrag zu diesem Bauvorhaben leistete das Kloster Bürglen, unter der Bedingung der Zollfreiheit. In der dazu ausgestellten Urkunde wird zum ersten Mal das Stadtsiegel erwähnt – ein bedeutendes Zeugnis der städtischen Selbstständigkeit.

Obwohl das Siegel heute nicht mehr an dieser Urkunde erhalten ist – vermutlich ging es beim verheerenden Erdbeben von 1356 verloren –, weiß man aus zeitgenössischen Beschreibungen, dass es neben dem Siegel des damaligen Bischofs Heinrich II. von Thun und dem Kapitel-Siegel angebracht war.

Das Siegel zeigt in seiner Mitte die Domkirche, flankiert von zwei Türmen, die mit Spitzdächern versehen und durch Rundbogenfenster sowie Kleeblattöffnungen belichtet sind. Zwischen den Türmen tritt der halbkreisförmige Chorausbau hervor, der mit Zinnen bewehrt und von einer Kuppel überdacht ist. Über dem großen Kreuz auf der Turmspitze befinden sich zwei Schriftzeichen, deren Deutung bislang nicht abschließend geklärt werden konnte.

Die wahrscheinlichste Interpretation sieht in diesen Zeichen ein A und ein O (Alpha und Omega) – ein biblischer Verweis auf den bekannten Ausspruch Christi: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.“ Im Kontext des Siegels wird dieser Sinnzusammenhang von Christus auf die Kirche übertragen, die als sein Leib verstanden wird.

Die Inschrift, durch eine Perlschnur vom Bildfeld abgegrenzt, lautet:

+ SIGILLVM. CIVIVM. BASILIENSIVM

(Siegel der Bürger von Basel)

Wie lange dieses erste Siegel in Verwendung war, lässt sich nicht exakt bestimmen. Gesichert ist jedoch sein Vorkommen an einer Urkunde von 1251, die im Staatsarchiv Luzern aufbewahrt wird.

Ein eindrucksvolles Zeugnis für die Sorgfalt im Umgang mit dem Stadtsiegel bietet eine Verordnung aus dem Jahr 1354:
Auch soll der Stadt grosses Insiegel in einem besondern Lädelin liegen und soll dasselbe Lädelin in dem Troge, dazu die drei Schlüssel gehören, stehen: und soll ein jeder Bürgermeister, der je dann ist, einen Schlüssel haben zu demselben Lädelin. Und soll man auch das Insiegel nicht heraus nehmen, ausser vor offnem Rath und den Zunftmeistern etc.

Eine alte Chronik berichtet sogar, dass das Siegel zeitweise vom Bürgermeister persönlich verwahrt wurde:
„Der Statt Sigel das ein Bürgermeister jetzt by Im treit.“

Das große Insiegel wurde in grünes Wachs geprägt. Der Abdruck hing in einer hölzernen Kapsel an einer Pergament-Schnur – eine der ältesten Formen offizieller städtischer Beglaubigung.


BILD: Das erste Siegel von Basel

Quellen: E. Schulthess, Die Städte- und Landes-Siegel der Schweiz, 1853

 
 
 
 
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