Der erste Bundesrat der Schweiz (1848)
Die Wahl erfolgte kurz nach dem Sieg über den konservativen Sonderbund, wodurch liberale Politiker die Exekutive prägten. Diese liberale Vorherrschaft blieb 43 Jahrelang bestehen, bis 1891. Gleichwohl wäre die Annahme eines politisch homogenen Blocks unzutreffend: Das freisinnige Spektrum reichte von moderaten Reformansätzen bis zu entschiedenem Reformtempo („langsam voran“ bis „Sturmschritt“).
Gemäss der Bundesverfassung wurden sieben freisinnige (FDP) Vertreter in den Bundesrat gewählt. Sie legten den Grundstein für das Kollegialsystem. Zwar blieben die Gräben des Sonderbundskriegs noch lange spürbar und zentrale demokratische Instrumente wie Initiative, Referendum und das Frauenstimmrecht fehlten noch. Dennoch verfügte die Schweiz für ihre Zeit über eine der fortschrittlichsten Verfassungen Europas, insbesondere im Vergleich zu den sie umgebenden autoritären Fürstenstaaten.
Die bewusste Festlegung auf sieben Bundesräte folgte dem Ideal einer Regierung ohne feste Hierarchie. Ziel war es, Machtkonzentration auf eine Einzelperson zu verhindern und eine breite Vertretung der Sprachregionen, Parteien und Kantone zu gewährleisten. Das Modell der Kollegialregierung – auch Konkordanz genannt – fördert Konsens, da sieben gleichberechtigte Mitglieder gemeinsam regieren. Es handelt sich um eine Regierung ohne Chef.
Die erste Landesregierung setzte sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen:
• Ulrich Ochsenbein (1811–1890), aus Fahrni BE – Militärdepartement
• Jonas Furrer (1805–1861), aus Winterthur ZH – Politisches Departement, erster Bundespräsident
• Daniel-Henri Druey (1799–1855), aus Faoug VD – Justiz- und Polizeidepartement
• Friedrich Frey-Herosé (1801–1873), aus Aarau AG – Handels- und Zolldepartement
• Wilhelm Matthias Naeff (1802–1881), aus Altstätten SG – Post- und Baudepartement
• Stefano Franscini (1796–1857), aus Bodio TI – Departement des Innern
• Martin Josef Munzinger (1791–1855), aus Olten SO – Finanzdepartement
BILD: Der erste Bundesrat der Schweiz
Quellen:
Text: Historisches Lexikon der Schweiz / Blog des Schweizerischen Nationalmuseums
Bild: Karte Kurt Messmer / Portraits Burgerbibliothek Bern
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