Dani Gebert. Autor
Historische Geschichten aus der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Das Schweizer Kartenspiel: Jassen


Jassen ist ein Kartenspiel, das in der Schweiz als Nationalspiel gilt. Es hat eine lange und vielschichtige Geschichte, die bis in den Orient zurückreicht. Wie die meisten europäischen Kartenspiele stammt auch der Jass vermutlich aus dem orientalischen Raum und gelangte im Verlauf des 14. Jahrhunderts nach Europa – wahrscheinlich durch die Vermittlung der Sarazenen.


In Europa entwickelten sich daraufhin regionale Kartendecks, die den jeweiligen kulturellen Vorlieben angepasst wurden. So entstanden das deutsche, französische und italienische Blatt. Schweizer Söldner brachten das Spiel während ihrer Auslandseinsätze insbesondere aus den Niederlanden zurück in ihre Heimat. Die Begriffe „Jass“ (ursprünglich „Jaspar“ oder „Kaspar“, mit der Bedeutung „Bauer“) und „Näll“ stammen ebenfalls aus dem Niederländischen.


Bereits um 1450 stellte eine Basler Papiermanufaktur Spielkarten her. Die ältesten bekannten Jasskarten der Deutschschweiz datieren auf ca. 1470 und zeigen die Farben Schellen, Schilten, Hüten und Federn. Diese Karten werden einem Basler Künstler zugeschrieben – ein Hinweis darauf ist der Baselstab auf dem Brustpanzer des Schilten-Unders. Später wurden die Farben „Federn“ durch „Rosen“ ersetzt, da der ursprüngliche Begriff vermutlich mit dem Hühnerrupfen assoziiert wurde und als unästhetisch galt.


Bereits im Jahr 1389 wurde das Kartenspielen von der Schaffhauser Obrigkeit mit einem Verbot belegt – das Spiel galt als potenziell leidenschaftsentflammend, konnte zu hohen Einsätzen führen und provozierte mitunter Schlägereien.


Das deutschschweizerische Kartenset besteht aus den Farben Rosen, Schellen, Eicheln und Schilten. Jede Farbe umfasst neun Karten: die Zahlen 6 bis 9, Banner, Under (bei Trumpf auch Bauer oder „Pur“ genannt), Ober, König und As (auch „Sau“ genannt).


Jassen kann nahezu überall gespielt werden – in Beizen, Berghütten, Zügen oder auf Festen. Es existieren zahlreiche Varianten, darunter: Tschau Sepp, Schieber, Coiffeur, Differenzler, Bieter, Pandur und Guggitaler. Besonders beliebt sind der Schieber, der als Klassiker gilt, und der Differenzler, der als Königsdisziplin angesehen wird. Während beim Schieber das Kartenglück dominiert, zählen beim Differenzler vor allem Erfahrung und Kalkulation.


Auch beim Jass spiegelt sich ein kultureller Graben in der Schweiz wider – der sogenannte Röstigraben. Französische Karten (Herz, Schaufel, Ecke, Kreuz) werden westlich der Brünig-Napf-Reuss-Linie verwendet – also in der Romandie, in den Kantonen Bern, Solothurn, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, im Aargau (ausgenommen Freiamt), im Tessin, in Graubünden sowie entlang des Bodensees im Thurgau. Die deutschen Karten (Schellen, Schilten, Rosen, Eicheln) dominieren hingegen in der Innerschweiz, in Zürich, Schaffhausen, der Ostschweiz und im Freiamt (Aargau).


BILD: Die ältesten bekannten Jasskarten der Deutschschweiz mit «Federn», «Schilten», «Schellen» und «Hüten», um 1470.


Bildquelle: Swissmint Info Mai 2014 / HMB – Historisches Museum Basel, Foto: M. Babey
Textquelle: Wikipedia / Swissmint Info Mai 2014

 
 
 
 
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